Das Duell der Boule-Familiendynastie Erfurts. Erdzahn mit Bea, Aada und Alvar gegen Anouk und Ephron. Jahrelange Trainingsduelle, schweißtreibende Einheiten, von frühesten Kindesbeinen an wurden die drei hier mitspielenden Nachwuchsstars von den Elterncoaches an die Kugeln herangeführt. Génération Messanges spielt das bereits im Namen an, Anouk hatte dereinst in Messanges, genauer auf dem Platz des Camping de Moïsan in Messanges plages, ihre ersten Schweinchen des Lebens geworfen. Und so ist es wenig verwunderlich, dass aus allen Ecken der Stadt die Boule-Prominenz anreiste. Es war ein sehen und gesehen werden. Neben einigen Freund:innen und unparteiischen Fans waren zahlreiche Persönlichkeiten des Erfurter Boulelebens erschienen. So war beispielsweise der damalige Leiter der Dependance in Messanges vor Ort welcher natürlich sehen wollte, welch überragende Entwicklung seine damaligen Noviz:innen genommen haben; der Vizepräsident von douze-partout e.V., welcher seinem Präsident Ephron zur Seite stehen wollte; der Nichttrainer der Nicht-U5, U 7, U 11, U18, Ü 18 und Ü 63 des RSB Erfurt 01 n.e.V. f.s.G., der natürlich unsere neuesten Talente Aada und Alvar unterstützt; dazu eine Vielzahl an Journalist:innen und Photographen der Presse. Kurzum, es war alles angerichtet für ein absolutes Highlight-Spiel des 2. Spieltages.

Die große Hitze war durch, im Beethovenpark hatten einige Zaungäste die Partie als Anlass genutzt, am Rande eine kleine Sause zu starten, ansonsten beste Bedingungen hinter dem Thüringer Landtag. Die Teams in enger familiärer Verbundenheit waren äußerst zugewandt und liebevoll miteinander. Den Schweinchenwurf holte sich Erdzahn mit Kopf auf der Münze.
Taktisch begannen beide Teams mit fluiden Aufstellungen, Bea und Ephron in der Regel mit der Ersten, dann Alvar und Anouk je nach Situation schießend oder legend. Dies waren aber eher Ansätze und stellte durch die zahlreichen Umstellungen, das jeweils gegnerische Team immer wieder vor neue spannende Herausforderungen. Man merkte, dass die beiden sich in und auswendig kennenden Teams sich einiges haben einfallen lassen, um doch für Überraschungsmomente zu sorgen.
Gehen wir rein in die Partie. Bea beginnt mit einer phantastischen Ersten und hing damit die Trauben gleich mal ganz nach oben. Anouk dann mit ihrer Dritten erst besser. Alvar schießt die Eigene, Bea legt zweimal hervorragend, Ephron zieht dann das Schwein eher unbeabsichtigt, sodass Erdzahn mit 2 Punkten liegen bleibt. Ephron schießt beide Punkte sehr souverän raus, aber die Anwort hat Alvar noch in der Hand und schiebt wieder Bea auf Punkt. Ein Paukenschlag! 1:0 Erdzahn, die heute nicht unbedingt als Favorit ins Spiel gegangen waren. Dann wird mehrfach taktisch klug gelegt, Alvars sehr kleine Kugeln liegen Konter, Ephron nimmt den Schuss und trifft Seine und die Kleine, dann legt Anouk Konter und Bea trifft beide. Wieder ist es Alvar, der Génération Messanges den Erdzahn zieht. Bea legt noch sehr routiniert eine dazu und es steht 3:0.
Die nächste Aufnahme holt dann Ephron quasi im Alleingang, während Anouk noch am puschen mit Energy Getränken ist. Alvar und Bea haben sehr gut gelegt, können Ephrons nicht toppen, Anouk legt noch einiges viel zu kurz, die Kraft sollte später noch kommen. Ephron schlicht sich durchs Kugelgewirr zum 3:2. Dann ein Legeduell zwischen Sohn und Vater, was Alvar deutlich gewinnt, Anouk hilft aus der Patsche, Bea aber mit der Letzten noch besser. Anouk trifft noch nicht, 4:2. Alvar kommt jetzt nach einem harten Schultag in Konzentrationsschwächen und nimmt damit auch seine Mutter ein bißchen aus dem Spiel. Erst die letzte von Bea liegt wieder gut, der folgerichtige Schuß zieht das Schwein, Erdzahn liegt zwar gut und mit drei Punkten, aber Anouk, gestählt in der südfranzösischen Hitze, legt nervenstark auf Punkt. 4:3. Alvar verhindert dann Schlimmeres, es geht auf 4:4.
Es wird ein Spiel von Alvars Nerven, der jetzt entschließt, nicht mehr spielen zu wollen, scheinbar genervt vom Trubel um das Spiel herum und Ephrons Erster, die jetzt immer stärker kommt und gerade press an der Sau liegt. Mit viel Zureden schießt er zweimal, trifft dabei auch, ist dennoch weiter unzufrieden, was auch leider nicht mehr enden sollte. Nachdem Bea zwar passabel legt, aber dabei nicht auf Punkt, erbarmt sich Alvar zu einer Dritten, die auch hervorragend zu liegen kommt. Ephron schießt die kleine Kugel am Ende für 4, Anouk hatte beim Legen geglänzt. 4:8.
Alvar ist jetzt völlig von der Rolle und spielt mit halber Kraft und lustlos. Bea stemmt sich mit aller Macht auf sehr beeindruckende Art gegen den Zusammenbruch und nur deshalb braucht es dann noch 3 Aufnahmen, bis der Durchmarsch für Génération Messanges perfekt ist. Am Ende ist es Anouk, die immer besser im Spiel ist, welche das 4:13 legt.
In der nötigen Pause gibt es ein Familienkrisengespräch, an dessen Ende Alvar beschließt noch weiter teilhaben zu wollen. Das umstehende Publikum hatte das mit regem Interesse verfolgt und war nun gespannt, wie gut Erdzahn die Pause hat nutzen können.
Tatsächlich beginnt das Spiel fast genauso, wie das Erste. Über 1:0, 3:0, 3:2 geht es zum 4:2. An dieser Stelle war der Erdzahn im Spiel zuvor auseinandergefallen. Und auch in diesen Aufnahmen war zu beobachten, wie Alvar nach und nach die Lust abging und sein Spiel dem langen Tag zum Opfer fallen sollte. Bea hingegen am Höhepunkt ihres Schaffens legte einer Deutschen Meisterschaft würdig und beeindruckte die Génération Messanges nachhaltig. Diese zogen sich jetzt aber vermehrt aus dem Trubel raus und hielten Rücksprache. Toll zu sehen, wie hier die Generationen auf Augenhöhe fachsimpelten. Heraus kam bis hierhin zwar wenig auf der Anzeigetafel, ihr Spiel vermied gleichzeitig jeden taktischen Aussetzer und hielt den Schaden so gekonnt in Grenzen.
Alvars Nervenflattern wird raumgreifender, Beas Legeleistung dafür umso gradliniger. Am Ende liegt der Punkt bei Génération Messanges, Bea hat allerdings 2 zwingende Kugeln liegen und es kommen noch 4. Ephron schießt am Ende für 3 und nimmt dabei nur die eigene Punktkugel aus dem Bild. Anouk dazu sehr liebevoll und mit leichtem Schmunzeln "Du hast sehr gut geschossen, nur leider die Falsche." So sieht Zusammenhalt aus. Bei Erdzahn tut sich indes was. Es ist klar, dass Bea auf Dauer dies nicht alleine wird nach Hause bringen können, Alvar ist am Ende seiner Kräfte und zeigt Größe, als er die nun folgende Auswechslung relativ klaglos akzeptiert. Aada kommt rein!

Bea ist nun vom ganzen Verhandeln kurz raus genommen, legt viel zu kurz. Hier verzichten wir auf einen Exkurs ins Kapitel 3 des Pétanque-Lehrbuchs zum Thema Psychologisches. Ephron dann stark auf Punkt und zieht den ganzen Erdzahn leer. Aada braucht noch ein bißchen zum Reinkommen. Nur Beas Letzte schiebt sich dann noch auf Punkt. Und dieser Punkt hält, 6:2!
Die nächsten beiden Aufnahmen dann mit je 2 Punkten, erst ist es Anouk, die ihr Team zurück bringt. Dann zieht Bea mit der Letzten das Schwein und die Génération Messanges kommt nicht mehr hin.
8:4 und Ephron sucht das Gespräch mit seinem Vize "Das sind ja richtig Wettkampfbedingungen!" Guten Morgen Mister Präsident, das ist Stadtliga!
Mit einem Sauschuss auf 15 Meter wird Aada kräftehalber aus dem Spiel genommen und Génération Messanges kann an der Grasnarbe zum 8:6 ran kommen. Ephrons Erste, die Erdzahn nicht weg oder überboten bekommt, vergoldet Anouk dann mit ihren Dreien und für 4 auf 8:10. Erste Führung für Anouk und Ephron und es scheint jetzt doch sehr zu kippen. Bea läßt sich nicht beirren und hält ihr Team auch in der nächsten Aufnahme wieter im Spiel, es gibt nur einen Gegenpunkt zum 8:11. Aada akklimatisiert sich zwar zunehmend, ist aber noch nicht der große Faktor. Ihre Teamkollegin verschafft ihr die nötige Zeit.
Die Körpersprache beim Erdzahn ist jetzt hervorragend. Da drückt nichts, Freude am Spiel und dem schönen Tag steht im Vordergrund. Das sind zwei Spieler:innen, die wissen, was sie können und wie der Gegner tickt. Man läßt Ephron weiter seine gute Erste legen, es gut jetzt Aada, die das Spiel sehr eng macht und schließlich will Ephron für Platz schießen und trifft (schon wieder) die Eigene. Aada macht den Punkt! Vor Freude stürzt sie und unter Tränen geht sie in den Kreis und beim Stand von 9:11 spielt sie ihre halbe Familie namens Génération Messanges an die Wand. Kurz ist sogar die 13 möglich, es sind dann aber 2 Punkte zum Ausgleich, 11:11.

Ephron jetzt arg am Wanken, Anouk und Aada dominieren das Spiel und Bea immer wieder mit Nadelstichen. Trotzdem schießt am Ende der Aufnahme Ephron Beas Kugel raus 11:12.
Ephron wirft nun das Schwein an Aadas Fuß und ein allgemeines "Häää!?" schallt durch den Beethovenplatz. Was folgt, ist einer dieser magischen Momente des Petanque-Spiels. Ephron legt gut. Aada mit der Dritten besser. Anouk schießt Ephrons und Aadas raus. Verlegt dann, die 13 für Erdzahn liegt. Ephron legt phantastisch mit Punkt und Konter. Bea schafft mit ihrer letzten eine Unglaubliche vor das Schwein. Ephron schießt und schießt und schließlich geht das Schwein! Tatsächlich liegt noch ein Punkt bei Aada, Ephron kann es nicht fassen, nur Anouk bleibt entspannt. Weiß sie mehr? 12:12.
Aada legt die erste 13 ihres jungen Lebens! Ephron davor aber besser. Bea legt weiter überragend und ebenfalls besser. Anouk mit einem sehr guten Punkt. Aada mit der zweiten 13 ihres Lebens; press ans Schwein! ...ist das die Entscheidung? Ephron verschießt. Nochmal. Anouk verschießt auch eine. Aber mit ihrer Letzten satt auf Eisen, Wahnsinn!
Bea hat die letzten zwei auf der Hand. Die Erste mutig, aber glücklos. Die Letzte herausragend, nur ein wenig zu kurz, ein Stöhnen geht durch die Zuschauer:innen, am Ende fehlen wohl 3 cm...

Erdzahn mit großem Kampf, Génération Messanges völlig fertig. Es wird sich, fröhlich auf beiden Seiten, abgeklatscht, gratuliert und es riecht danach, dass dieses Duell beim nächsten Mal anders ausgehen könnte. Kompliment an beide Teams, beide ernten anerkennendes Nicken der Boule-Funktionäre und gehen stolz geschwellter Brust nach Hause. Nach diesem Boule-Fest wird es Kartoffeln geben. Die müden Körper werden es danken.